Darlina Tyawana war die zweite Hauptvortragende bei der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung in Linz. Die Aktivistin fesselte das Publikum mit Einblicken in ihr Leben, das stark von der Eigentumsfrage geprägt war und ist.
Darlina Tyawana ist Vorsitzende des New Women’s Movement in der Western Cape Province und auch in anderen Community Based Organisations und NGOs organisiert. Veronika Wittmann vom Institut für Soziologie führte den Vortrag von Darlina Tyawana ein. Sie habe Darlina Tyawana vor sechs Jahren bei einer Feldforschung in Südafrika kennen gelernt, wo die bekannte Aktivistin respekt- und liebevoll Mama Darlina genannt werde. Um dem Publikum einige Eindrücke aus Townships in Südafrika zu geben, zeigte Veronika Wittmann zu ihrer Einleitung Bilder der sogenannten lost cities ohne Elektrizität oder fließendem Wasser.
Subsistenzwirtschaft und Enteignung.
Schulabbruch, Rassismus und Apartheidregime.
Im Juli 1987 kam sie schließlich nach Kapstadt, wo sie wiederum bei einer weißen Familie als Kindermädchen arbeiten wollte, was ihr jedoch durch strengere Apartheid-Bestimmungen verwehrt wurde. Das brachte Darlina Tyawana in eine schwierige Situation: Ohne Wohnmöglichkeit oder soziale Kontakte in Kapstadt, sah sie sich 1988 gezwungen, mit ihren Kindern in eine Hütte (engl. shack) in Philippi zu ziehen.
Lokale Organisation: „We need lots of voices“
Hausbesetzungen.
Auch die Hausbesetzungen führten 1994 zu Erfolgen, als die Gemeinschaft endlich an elektrische Versorgung angeschlossen wurde. Gleichzeitig wurden sie jedoch gezwungen, die besetzten Häuser zu verlassen und in von der Regierung aufgestellte Hütten zu ziehen, in denen es weder Türen noch Fenster gab. Daraufhin beschlossen sie kurzerhand Türen und Fenster der besetzten Häuser auszubauen und in die neuen Hütten mitzunehmen. In der Zeit entwickelten AktivistInnen die Idee, sich selbst um Hausbau zu kümmern und sie gründeten die Homeless People’s Federation. Diese stelle einerseits einen Sparverein dar, gleichzeitig werde jedoch auch versucht, Wissen über Hausbau zu vermitteln.
Ihre Erzählungen zeigen deutlich, dass Darlina Tyawana die Konfrontation mit Autoritäten nicht fürchtet. Darlina Tyawana betont, dass Frauen oft die Initiativen für Aktionen ergreifen und diese leiten, jedoch auch Männer aktiv beteiligt sind. Bei Polizeieinsätzen halten sich männliche Aktivisten eher im Hintergrund, da sie mit größerer Wahrscheinlichkeit verhaftet würden.
In der anschließenden Diskussion drückte Darlina Tyawana ihre Überzeugung aus, dass die Regierungspartei ANC ihr Bestes gäbe, um die Wohnungsnot zu verbessern. Außerdem beurteilte sie die steigende Unterstützung des Homeless People’s Movement durch Irland als vielversprechend. Zusammenarbeit mit anderen Staaten des Südens existiere zwar, sie sei jedoch aufgrund von infrastrukturellen Schwierigkeiten der NGOs, die Kommunikation über weitere Strecken erschwert, beschränkt.
Die Autorin studiert Arabistik und Internationale Entwicklung und ist Praktikantin des Freire Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at