Welt-Sichten re-visited. Globale Perspektiven im Umbruch (Workshop 7)

Im Rahmen der 6. Österreichischen Entwicklungstagung wurde in einem Workshop über Globale Perspektiven im Umbruch diskutiert. Moderiert wurde er von Franz Gmainer-Pranzl (Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen), Anita Rötzer und Birgit Kastner-Lindenthaler (beide Südwind Salzburg).

Untersuchung der Wahrnehmung

Der Workshop wurde in drei Themen geteilt: Weltbilder, Zentrismus und Identität. Um zu zeigen, wie der Mensch die Welt aus eigener Betrachtung sieht, wurde das „Mann-Maus-Spiel“ Bugelski & Alampay (1961) mit den TeilnehmerInnen gemacht. Dabei wurde einem Teil der Gruppe eine Abbildung einer schematisch gezeichneten Maus gezeigt, dem anderen Teil eine Abbildung eines gezeichneten Männerkopfes. Anschließend wurde beiden ein Bild aus der Kombination der vorherigen Bilder gezeigt mit der Bitte das wiederzugeben, was sie nun darauf erkannten: Beide Gruppen sahen in dem kombinierten Bild ihr erstes Bild wieder. Sinn dieser Übung war es, den Teilnehmenden zu zeigen, dass es schwierig ist, sich von ersten Bildern und altbekannten Eindrücken zu lösen, um unvoreingenommen neuen Wahrnehmungen gegenüber offen sein zu können.

Weltbilder

Anschließend lasen alle einen Text mit dem Titel „Weltbilder“ (Text siehe unten), in dem der Mensch als ein territorial orientiertes Wesen beschrieben wurde. Das Territorium sei Basis für das Wachsen der Bevölkerung und die Akkumulation wirtschaftlicher und politischer Macht. Kriegerische Ereignisse im Laufe der Menschheitsgeschichte seien daher meistens Kämpfe um Territorien. Der Mensch wurde im Text auch als ein gruppenorientiertes Wesen beschrieben, was die Abgrenzung zu anderen impliziere. Erst nach eingehender Diskussion über den Inhalt wurde der Verfasser genannt, nämlich Thilo Sarrazin. Dieser Aspekt erweiterte das Bewusstsein über die Faktoren, die das eigene Weltbild formen.

In einer weiteren Übung wurde mit Weltkarten gearbeitet. Die TeilnehmerInnen bekamen elf verschiedene Länder, die aus einer winkeltreuen Weltkarte (Mercatorprojektion) ausgeschnitten wurden und sollten sie der richtigen Flächengröße nach in eine Reihenfolge bringen. Die Reihenfolge war natürlich falsch, da die Flächengröße der Länder aus der Mercatorprojektion nicht den wirklichen Größen entsprechen (Länder werden zu den Polen hin stark verzerrt). Anschließend wurden flächentreue Karten und ein Globus hergezeigt, um die realen Größen darzustellen. Die Arbeit mit Karten und deren Macht sollte als Sinnbild für unser Weltbild dienen: Wie eurozentristisch ist unser Denken, welche Interessen stecken hinter diversen Weltbildern, wie ist es möglich, die eigenen Bilder auf den Kopf zu stellen und mit Freude Altbekanntes neu zu entdecken?

Zentrismus

Das zweite Leitthema des Workshops lautete Zentrismus. Die TeilnehmerInnen lasen und diskutierten einen Text von Franz Martin Wimmer aus dem Buch „Interkulturelle Philosophie“ (siehe unten). Wimmer unterscheidet darin expansiven, integrativen und separativen Zentrismus. Inhalte und relevante Erfahrungen der TeilnehmerInnen wurden gemeinsam diskutiert.

Identität

Das dritte Thema des Workshops war Identität. Von den WorkshopleiterInnen wurde die Kindergeschichte „Ich bin ich“ von Mira Lobe und Susi Weigel vorgelesen. Die TeilnehmerInnen diskutierten über das Thema Identität und malten einen Kreis in Form einer bunten Seifenblase. Darin wurden von den TeilnehmerInnen Wörter aufgeschrieben, die ihre eigene Identität betrafen. Es wurde darüber gesprochen, welche Bedeutung Identität hat und welche Auswirkungen sie in unserem Umfeld sowie in unserer Kultur haben kann.

Als nächstes bekamen die TeilnehmerInnen einen Text aus dem Buch „Die Identitätsfälle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt“ von Amartya Sen mit dem Titel „Identitäten“ (siehe unten). Es ging dabei um die tragische Geschichte eines Mannes, der aufgrund der ihm zugeschriebenen Interpretation seiner Identität umkommt. Auch zu diesem Text wurde rege diskutiert.

Die Autorin ist Studentin der Geographie an der Universität Salzburg. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

Hier der Link zum Download der im Bericht genannten Texte: Workshop 7_Texte.pdf  (399.53 KB) 

Veröffentlicht in Entwicklungstagung 2014.