Abschlusspanel: Allianzen – Perspektiven – Ansätze.

Welche Allianzen braucht es für eine sozial-ökologische Transformation? Welche konkreten Schritte müssen dafür gesetzt werden – und von wem? Das Abschlusspanel der 7. Entwicklungstagung widmete sich neuen Perspektiven, dem Bilden von Allianzen und sich entgegentretenden Ansätzen.Am letzten Tag der Entwicklungstagung 2017 fand eine Abschlussdiskussion angelehnt an die Fishbowl-Methode statt. Unter der Moderation von Ines Omann (Netzwerk sozial-ökologische Transformation) gaben Tessa Khan (Climate Ligitation Network Asia), Donna Andrews (Rita Edward Collective), Moema Miranda (People´s Dialogue, Brasilien), Karin Fischer (Mattersburger Kreis, Uni Linz) und Mai Thin Yu Mon (Country Program Coordinator Chin Human Rights Organization) kurze Einblicke in Diskussionen der Foren, an denen sie teilhatten. Im Anschluss daran öffnete sich die Diskussion dem Publikum und ZuhörerInnen konnten nach vorne ins Panel kommen und aktiv am Gespräch teilnehmen.

Blitzlichter aus den Foren der Entwicklungstagung.

Karin Fischer berichtete von einer im Forum 1 (Gutes Leben für alle – in Europa) gewonnenen Erkenntnis. Es sei wichtig, die eigene Blase auch zu verlassen und kollektive Räume für Dialoge zu schaffen. Hierbei müsse man sich aber bewusst sein, dass es zu einem Aneinandergeraten von verschiedenen Interessen kommen kann. Die Schaffung eines entsprechenden demokratischen Rahmens sei daher zentral.

Auch Forum 2 ((Südost-)Asien: Gutes Leben für wenige?) beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Demokratie und sozial-ökologischer Transformation. Im Moment vertiefe sich Demokratie dort nicht, vielmehr gebe es eine Veränderung in Richtung Autoritarismus – in Thailand sogar unter dem Deckmantel von „Nachhaltigkeit“, so Mai Thin Yu Mon.

Der Abbau natürlicher Ressourcen unter katastrophalen sozialen Bedingungen war auch im Forum 3 (Buen Vivir vs. Neoextraktivismus in Lateinamerika) Thema. Neoextraktivismus herrsche dort trotz progressiven Regierungen und nachhaltigen Konzepten, wie zum Beispiel „Buen Vivir“ (dt.: gutes Leben). Moema Miranda berichtete von einem Momentum der Frustration angesichts dieser aktuellen Krise.

Im Forum 4 (Extraktivismus versus Care-Ökonomie) ging es um den Zusammenhang zwischen Extraktivismus und Care-Arbeit, anhand des Beispiels Bergbau: Die Folgen von Bergbau seien für Frauen besonders verheerend, da diese Care-Arbeit leisten und mit dem verschmutzten Wasser hantieren, berichtete Donna Andrews.

Ob die Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) einen Masterplan zur Lösung dieser Probleme darstellen, war schließlich im Forum 5 Thema. Auch wenn diese durchaus das Bewusstsein über die Bedeutung einer sozial-ökologisch nachhaltigen Lebensweise fördern, so handle weiterhin ein großer Teil politischer EntscheidungsträgerInnen nicht danach, betonte Tessa Khan. Darüber hinaus brauche es eine Agenda, die alle anspricht. Aktuell werde diese von oben nach unten diktiert, wodurch es schwierig werde, eine kollektive Vorstellung zu schaffen.

Mögliche Allianzen.

Wie können wir diesen sozial-ökologischen Problematiken entgegenwirken? Mai Thin Yu Mon äußerte die Notwendigkeit, dass wir Allianzen über verschiedene Sektoren hinweg bilden, zusammen arbeiten und individuelle Stärken gemeinsam nutzen sollten. Dadurch könne man Bedrohungen die alle betreffen, etwa dem Klimawandel, besser entgegentreten, meinte auch Tessa Khan. Es bestehe nun die Möglichkeit sich zu organisieren und mobilisieren, wie nie zu vor.

Außerdem, so Donna Andrews, brauche es ehrliche, solidarische Allianzen, nicht nur strategische. Karin Fischer ergänzte, dass man auf die Gesellschaft als Ganzes blicken sollte, nicht nur als Zusammensetzung verschiedener Gemeinschaften. Und Moema Miranda wies schließlich noch darauf hin, dass es dabei immer Bereiche geben werde, in denen zumindest eine der involvierten Parteien Abstriche machen oder mehr als die anderen leisten müsse.

Hindernisse und Herausforderungen.

Die Realität zeige, so Tessa Khan, dass jene Leute, die dazu bereit sind, ihre Gewohnheiten umzukrempeln, um eine nachhaltige und gerechte Welt zu schaffen, global gesehen in der Minderheit sind. Sie leben in einer Welt, deren Ideologie nicht ihre eigene Gesinnung widerspiegle. Gerade darum sei es wichtig, sich untereinander das Gefühl zu geben, gehört zu werden und sich mit gleichgesinnten Personen zu verbinden. So könne aus einigen wenigen eine ganze Bewegung werden.

Auf die Frage nach dem Potential eines „Multisteakholder-Ansatzes“ (freiwillige Zusammenschlüsse zwischen öffentlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten Akteuren) meinten die Diskutantinnen, dass hierbei Probleme auftreten können. Machtasymmetrien seien (fast) immer präsent, auch an derartigen Verhandlungstischen. So seien Konzerne meist mächtiger als NGOs.

Ein weiteres Problem sei das Narrativ, welches das Themengebiet der sozial-ökologischen Transformation bestimme. Dieses sei durchwegs pessimistisch, wirke lähmend und sehe die Zukunft nicht als etwas Besseres, so Moema Miranda. Ziel solle auch ein neues, positives Narrativ und die Anerkennung von verschiedenen Denkweisen sein.

Hoffnung und Motivation.

Trotz des oft pessimistisch wirkenden Ausblicks auf Gegenwart und Zukunft, gebe es doch immer Gründe, weiter zu kämpfen und an einer gerechteren und solidarischeren Welt zu arbeiten, so die einstimmige Meinung der Diskutantinnen. Ja, es sei anstrengend zu sehen, wie viel Aufwands eine kleine Veränderung bedarf. Aber man dürfe sich davon nicht unterkriegen lassen, denn jeder noch so kleine Schritt könne dabei helfen, in die richtige Richtung zu gehen. Ärger und Frustration sollen in Solidarität umgewandelt werden. Tessa Khan fügte zum Schluss noch hinzu, dass sie sich ihren Mitmenschen, künftigen Generationen und unserer Erde gewissermaßen verpflichtet fühle. Nicht zuletzt sei auch das Konzept der Hoffnung wichtig – denn so lange wir leben, sollten wir Hoffnung haben, um zu überleben.

 

Die Autorin ist Mitglied im Redaktionsteam des Paulo Freire Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


 

Weiterführende Links: 

– Zur Seite der Entwicklungstagung: www.entwicklungstagung.at

– Zu weiteren Artikeln über die Tagung: https://www.pfz.at/list193.htm

 


 

Fotos: Michael Straub © Paulo Freire Zentrum

Veröffentlicht in Entwicklungstagung 2017.