Bereits in den 1930er und 1940er Jahren entstand die Idee einer globalen Sozialpolitik, die länderübergreifend wirken sollte. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 formulierte erstmals eine auf soziale Ziele ausgerichtete internationale Ordnung. 1966 folgte der Internationale Pakt für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen – auch Sozialpakt genannt -, der ein wichtiges Dokument in der Einforderung von sozialen Rechten ist. Auch zahlreiche arbeitsbezogene Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) haben zum Ziel, ein gutes Leben für alle zu schaffen. Und die SDGs haben ein eigenes Ziel (SDG 10), Ungleichheiten in und zwischen Ländern zu verringern.
Sind es aber diese Dokumente, die ein Leben verbessern, oder braucht es öffentliche Thematisierung und Mobilisierung durch NGOs und/oder Medien? Wie so oft sind Dokumente sehr hilfreich, um sich darauf zu berufen, aber Druck muss fast immer von anderer Seite kommen. Meist braucht es ein gesellschaftliches „soziales Gewissen“.
Was bedeuten globale Ungleichheiten? Wo gibt es auf internationaler Ebene soziale Ideen, Institutionen und sozialpolitische Maßnahmen? Warum müssen sich überhaupt Feministinnen mit Sozialpolitik auseinandersetzen? Diese Fragen werden uns u.a. in den Workshop beschäftigen, aber auch die Rolle von Community Medien wird thematisiert.
Community-Medien, vor allem das Radio, sind in dieser globalen Schieflage ausgleichende Akteur_innen. Sie sind effektive Instrumente für das Vorantreiben von Frauenbeteiligung in politischen Strukturen und Entscheidungsprozessen. Community-Radios werden nicht von Firmen- oder Regierungsinteressen kontrolliert, was ihnen ermöglicht Themen unabhängig zu behandeln. Für Analphabet_innen – darunter viele Frauen – ist das Radio oftmals die wichtigste Informationsquelle.
In den Freien Medien geht es auch darum, gesellschaftlichen Gruppen einen Raum zu geben, um für sich selbst zu sprechen.
Auch die Frauen*solidarität produziert seit 2005 gemeinsam mit der Radioredaktionsgruppe Women on Air feministische Radiosendungen auf Radio ORANGE 94.0. In der Sendereihe „Globale Dialoge“ schaffen wir einen Raum, um mit Aktivist_innen aus der ganzen Welt ins Gespräch zu kommen. Die Sendereihe berichtet über Frauenbewegungen weltweit, feministische, entwicklungspolitische und transkulturelle Debatten, Frauenarbeits- und Lebensrealitäten und globale Machtverhältnisse.
Was lernt man alles beim Radio machen?
Fragen zu stellen, technisches Handwerkzeug um Radiosendungen produzieren zu können, Verantwortung im Team zu haben, Ruhe bewahren, wenn während eines Live-Gesprächs die Technik Probleme macht, Selbstbewusstsein, um auf Frauen* und Organisationen zuzugehen, gestalten, mutig sein, sich gut zu fühlen die eigene(n) Muttersprache(n) zu verwenden oder nicht ganz akzentfreies Deutsch.
In dem Workshop werden Elemente eines Interviews kennengelernt und geübt.
In zwei Stunden ist es nicht möglich, eine ganze Sendung zu produzieren. Aber die Teilnehmer_innen werden zumindest einen kurzen Einblick bekommen, wie sich NGO/wissenschaftlicher Jargon von journalistischer Sprache unterscheidet. Und wie Medien soziale Gleichheiten herbeizuführen können.
Referentin:
Claudia Dal-Bianco ist Redakteurin der Zeitschrift Frauen*solidarität und langjährige Radiomacherin bei den Women on Air auf Radio ORANGE 94.0. Sie war Projektkoordinatorin von mehreren EU-finanzierten Medienprojekten. Zusätzlich zu ihrer redaktionellen Arbeit organisiert und leitet sie Medientrainings, insbesondere zur Radioproduktion. Durch die letzten EU-Projekte und ihre Medienaktivitäten baute sie ein internationales Netzwerk von Community-Medien-Interessierten auf und war auch als Teilnehmerin an verschiedenen Workshops an einem Projekt des Europarates zum Thema „Media diversity and inclusiveness“. Sie hat nicht nur durch ihre Radioarbeit Erfahrung in der Produktion von Material für die Erwachsenenbildung, sondern auch durch die Mitarbeit bei einer Studie der Frauen*solidarität „Bewaffnet mit Kugelschreiber und Mikrofon. Medien als Werkzeug sozialer Entwicklung“ (2014).
Workshop-Termin: Samstag, 12. November 2022, 11:15 bis 13:00 Uhr.
Der Workshop findet im Seminarraum 057 im Science Park 3 statt.
