Was sind Herausforderungen auf globaler, staatlicher und regionaler Ebene? Welche Perspektiven benötigt es, um transformative Lösungsansätze zu finden? Um diese Fragen ging es am Nachmittag des ZeitRaums am 17. Nov. 2017 im Rahmen der 7. Entwicklungstagung.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen und spannenden Diskussionen der TeilnehmerInnen mit Johannes Mindler-Steiner, dem Leiter des Afro -Asiatischen Insituts der Universität Graz und Sigrun Zwanzger, stellvertretende Geschäftsführung des Welthauses Graz, setzte sich das ZeitRaum Programm am Donnerstag den 17. Nov. 2017 mit dem interaktiven Teil der Veranstaltung fort.
World Café zu sozial-ökologischen Themen.
Der arbeitsintensive Freitagnachmittag, der als World Café gestaltet war, wurde von Michael Eigner anmoderiert. Die World Café Methode sollte den Studierenden die außergewöhnliche Möglichkeit bieten, außerhalb der Universität Feedback zu ihren Forschungsarbeiten zu erhalten. Dieses sollte auch Perspektiven abseits der wissenschaftlichen Betrachtungsweise enthalten. An insgesamt fünf Diskussionstischen wurde zu unterschiedlichen Themenkomplexen über zwei Stunden lang diskutiert und dabei das Forschungsvorhaben der Gruppen thematisiert und konkretisiert. Diese befanden sich an unterschiedlichen Stellen im Prozess des Verfassens ihrer Forschungsarbeit und so konnten jene Personen, die keinen akademischen Background hatten, einen Einblick in die unterschiedlichen Stufen im Forschungsprozess erhalten und somit zu einem klareren Verständnis von wissenschaftlichen Arbeitsvorgängen gelangen. Umgekehrt erhielten die Studierenden relevante Rückmeldungen über die Wirkung ihrer Arbeiten außerhalb der akademischen Blase.
Die fünf Diskussionstische wurden jeweils von den Forschenden moderiert, wobei diese zu Beginn einen kurzen Input zu ihrer Forschungsabsicht gaben und dann den Raum für Fragen öffneten. Um es den TeilnehmerInnen zu ermöglichen, an Themen zu arbeiten, die sie selbst interessieren, konnte in jeder Runde die Arbeit ausgewählt werden, an der man sich beteiligen wollte.
Von Degrowth bis zu „verantwortungsvollen Investitionen“.
Die Palette an unterschiedlichen Themen fand dabei guten Anklang bei den TeilnehmerInnen. Der erste Diskussionstisch beschäftigte sich mit dem Thema „Degrowth als konkrete Utopie“. Dabei versuchen die Studierenden Degrowth-Initivativen wie Transition Towns, Buen Vivir oder Urban Gardening mit Konzepten der kritischen politischen Ökonomie zu verbinden. Durch eine Verbindung erhoffen sich die Studierenden eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wie es Degrowth vom Nischenphänomen zur Gegenhegemonie schaffen könnte.
Am Nebentisch wurde „Sozial-ökologisches Re-Design von Global Value Chains (dt. Globale Wertschöpfungsketten) am Beispiel von Kaffee“ diskutiert. Bei dieser Arbeit setzen sich Studierende mit den Global Value Chains im Kaffeebereich auseinander und fragten bei 16 Unternehmen an, ob sie ein Interview zu diesem Thema durchführen könnten. Dabei waren nur zwei Firmen bereit, nähere Auskünfte über deren Produkte zu geben. Erste Ergebnisse der Forschung zeigten, dass FairTrade Kaffee bei den ProduzentInnen als Preisgarant gilt, weshalb jedoch eher qualitativ schlechtere Bohnen als FairTrade Kaffee verkauft würden, da hier eine gewisse Gewinnspanne sicher sei. Höherwertigere Bohnen würden in anderen Produkten verkauft, um so eine Umsatzmaximierung zu erreichen.
Die dritte Gruppe setzte sich kritisch mit dem Hype um die Green Economy auseinander. Unter dem Forschungsthema „Was taugt die „Green Economy“? – Gefahren und Potentiale“ beleuchteten Studierende diese Wirtschaftsweise und machten auch auf die negativen Seiten aufmerksam. Es fänden sich multiple Krisen in der Green Economy wieder – Wirtschaftskrise, Ökologische Krise und in deren Folge auch eine Krise der Ernährungssicherheit, die Proponenten dieser Wirtschaftsweise vor Herausforderungen stellen.
Zum Thema „Soziale Bewegung in Europa zu Zeiten der Austeritätspolitik“ arbeitete die vierte Gruppe. Mithilfe von Ansätzen aus der politischen Ökonomie sollen europäische Dependenzen sichtbar werden und Abhängigkeitsstrukturen zwischen Zentrum und Peripherie offengelegt werden. Am Tisch wurde neben europäischen Dependenzen auch die Frage nach den Kriterien für eine soziale Bewegung gestellt, welche Gemeinsamkeiten diese in der EU hätten und welche Schutzmechanismen es für sie bräuchte.
Die fünfte Forschungsarbeit setzte verantwortungsvolle Investitionen in den Mittelpunkt des Forschungsvorhabens. Unter dem Titel „Zum Potenzial „verantwortungsvoller Investitionen“ – ESG Faktoren als nachhaltiger Entwicklungsfaktor?“ werden dabei die Investitionen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten auf Nachhaltigkeit überprüft. Auch Unternehmen sollen dabei genauer unter die Lupe genommen werden. Eine neogramscianische Betrachtungsweise soll dabei zum Verständnis der historischen Struktur, dem Staats-Zivilgesellschafts Komplex und der Hegemonie dienen.
Nach Abschluss der Diskussionsrunden gab es eine große gemeinsame Reflexionsrunde, in der noch einmal der gesammelte Input der einzelnen Gruppen vorgestellt wurde und noch vorhandene ergänzende Fragen geklärt werden konnten. Der noch immer nicht gestillte Diskussionsbedarf wurde daraufhin nach draußen verlegt, wo den TeilnehmerInnen frischer Kaffee, Obst und kleiner Snacks geboten wurde. Im Anschluss an den Kaffeeausklang ging es schließlich weiter zur Eröffnung der 7. Österreichischen Entwicklungstagung 2017.
Der Autor studiert Internationale Entwicklung, Politikwissenschaft und Philosophie. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at
Weiterführende Links:
– Zum Artikel über den Freitagvormittag im ZeitRaum: https://www.pfz.at/article2025.htm
– Website von In[ter]ventions
– Zur Seite der Entwicklungstagung: www.entwicklungstagung.at
– Zu weiteren Artikeln über die Tagung: https://www.pfz.at/list193.htm
Fotos: Michael Eigner ©Paulo Freire Zentrum