Im Forum 5 der Entwicklungstagung beschäftigten sich die TeilnehmerInnen mit dem Menschenrecht auf Wasser, seinen komplexen Problemen und vielseitigen Konflikten.
Der blaue Planet Erde.
Die Erde besteht zu 2/3 aus unserer Lebensgrundlage, dem Wasser. Trotzdem haben über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und jährlich sterben Millionen Menschen an Krankheiten, die durch schmutziges Wasser verursacht werden. Um die 0,02% des Wassers auf der Erde, die für den menschlichen Verbrauch zur Verfügung stehen, gibt es unzählige Konflikte und Kämpfe.
Im Forum 5 der Entwicklungstagung wurden diese Konflikte näher beleuchtet und ein Überblick über das Problemfeld Wasser sowie seine verschiedenen Nutzungsformen gegeben. Die Kernfragen, die sich die TeilnehmerInnen des Forums stellten, waren: Worin besteht der Konflikt um das Wasser? Welche AkteurInnen sind involviert? Welche Interessen und Machtverhältnisse werden dabei sichtbar? Wie soll das Problem in Entwicklungsprojekten behandelt werden? Zu Beginn berichteten die vier ReferentInnen des Forums über regionale Konflikte, Projekt-Beispiele und Entwicklungskonzepte im Wassersektor.
Beispiele aus den Philippinen, Guatemala, Brasilien und Uganda.
Über die aktuelle Situation und zukünftige Herausforderungen im Wassersektor auf den Philippinen referierte Beckie Malay, Vizepräsidentin der Freedom from Debt Coalition (FDC). Durch eine fragmentierte, unkoordinierte, korrupte und ineffektive Wasserpolitik der philippinischen Regierung (lokal wie national), sieht sich die Bevölkerung des Inselstaates mit massiven Problemen bezüglich ihrer Wasser-, Sanitär- sowie Gesundheitsversorgung konfrontiert. Die Folge dieser Unfähigkeit der staatlichen Management-Agenturen ist eine weitgehende Privatisierung, wodurch der Zugang zu sauberem Trinkwasser der Bevölkerung seit 1997 stetig sinkt. Die FDC kämpft aktiv auf der Straße, in Kampagnen und vor Gericht gegen die unternehmensgeleitete Privatisierung des Wassers und die Vermarktung der Ressource als wirtschaftliche Ware. Sie entwickelt Alternativen, das Menschenrecht auf Wasser zu verwirklichen.
Der zweite Referent Luis Cordero von der Katholischen Männerbewegung Sei so frei sprach von dem regionalen Konflikt um das Luxusgut Wasser in Guatemala City. Das kostbare Nass wird von der Elite des Landes (Politiker und Firmen) genutzt und teuer an die Bevölkerung verkauft. Während eines Wasserprojekts der Katholischen Männerbewegung wurden zwei Mitarbeiter ermordet, woraufhin die Organisation das Projekt stoppte. Nach einiger Zeit nahm sie es aber wieder auf und schaffte es im zweiten Anlauf mit Hilfe des Bürgermeisters der Siedlung, das Projekt zu evaluieren und die Gemeinschaft für täglich vier Stunden mit billigerem Wasser zu versorgen.
Über ein Mega-Entwicklungsprojekt im unterentwickelten Nordosten Brasiliens berichtete Tobias Schmitt vom Institut für Geographie an der Universität Innsbruck. Um der Dürre die laut den Projektplanern die Ursache für die Unterentwicklung ist entgegenzuwirken, wurde der Rio São Francisco in diese Region umgeleitet und Wasser in riesigen Mengen in Staudämmen gespeichert. Das Konzept der nachholenden Entwicklung von Weltbank, multinationalen Konzernen sowie lokalen Machthabern vernachlässigt die Bedürfnisse der Bevölkerung und verschärft ungleiche Machtverhältnisse. Schon in der Projektplanung wurde entschieden, dass lediglich 4% des gewonnenen Wassers für die lokale/ländliche Bevölkerung reserviert wird, alles andere soll z.B. für die Plantagenbewässerung von Exportprodukten oder die Wasserversorgung der neuen Touristenzentren der Region verwendet werden. Die Aufgabe des Geographischen Instituts ist es, solche unfairen Aneignungsprozesse in Projekten zu analysieren und sichtbar zu machen.
Ein letztes regionales Beispiel zu Konflikten im Wassersektor stammte aus der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit von Hans Schattauer. Sein regionaler Schwerpunkt im Rahmen der ADA liegt in Uganda, thematisch präsentierte er vor allem die Probleme der Wasserversorgung und Siedlungshygiene. Er zeigte, wie komplex die Durchführung von Wasserprojekten ist, wenn man natürliche und sozio-kulturelle Komponenten des Problemfeldes mit einbezieht.
Diskussionen in Kleingruppen.
Diese Inputs der ReferentInnen bildeten die Basis für eine angeregte Diskussion in drei Kleingruppen. In der ersten Arbeitsgemeinschaft ging es um das Thema Großprojekte versus kleinteilige Nutzungsformen, wo die TeilnehmerInnen darüber diskutierten, ob es möglich ist, Mega-Projekte für eine breitere Bevölkerung zu konzipieren. Wie das Beispiel in Brasilien zeigte, stehen die Interessen der Mächtigen im Mittelpunkt, weshalb Zugangsrechte und eine demokratische Gestaltung von Großprojekten gefordert wurde.
In einer zweiten Diskussionsrunde wurde das Thema der Privatisierung aus Malays Beispiel aufgegriffen. Brauchen wir den privaten Sektor? Die Gruppe war sich einig, dass Wasserver-sorgung grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich der Regierung fällt, jedoch ist dafür ein funktionierender Staat und so genannte Good Governance von entscheidender Bedeutung. Wenn der Staat also kompetent und nicht korrupt ist, braucht man den privaten Sektor nicht. Was passiert aber, wenn das nicht der Fall ist? Wo kommt dann das Geld her?
Die Diskutierenden zum Thema Wasserversorgung und Sanitäranlagen in EZA-Konzepten forderten in erster Linie nachhaltige, langfristige und partizipative Ansätze sowie mehr Aufmerksamkeit für und mehr Forschung im Bereich der Sanitärversorgung. Es wäre sinnvoll, über Alternativen zu Wassertoiletten nachzudenken, die einen Großteil des wertvollen Trinkwassers auf der Welt wegspülen. Ein wichtiges Thema in der Arbeitsgemeinschaft war außerdem die Einbeziehung von Frauen in die Projektplanung.
Abschließend lässt sich festhalten, dass nach wie vor ein großer Diskussions- und Forschungsbedarf für das komplexe Problem der Wasserversorgung besteht, was gleichzeitig einen Ausbau des Budgets für Entwicklungszusammenarbeit erfordert. Die laut Schmitt wichtigste aller Fragen, nämlich die nach der Verantwortung, muss immer wieder gestellt werden. Das Forum zeigte, wie heikel die Beziehung zwischen Wachstum und Menschenrechten ist und es scheint oft, als würden sie einander bekämpfen. Aber wäre es nicht eigentlich notwendig, sie miteinander zu denken?
Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Freire Zentrum. Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at