Eine konkrete Utopie.
Die vielen Diskussionen auf den Entwicklungstagungen, in deren Vorfeld und in deren Nachbearbeitung erlauben es, bei der Dritten Entwicklungstagung auf wichtiges Vorwissen und einen breiten Konsens bauen zu können. Es herrscht Konsens unter den AkteurInnen der Tagungen, dass die vorherrschende Form der Weltentwicklung abgelehnt wird, und es gibt den breit geteilten Wunsch nach einer Welt, die sich nicht an Ausschluss, Wettbewerb und Gewinn orientiert.Die Dritte Österreichische Entwicklungstagung geht nun einen Schritt weiter: Es geht um die Beschäftigung mit unterschiedlichen Formen von Eigentum in verschiedenen Gesellschaften, weil die Formen von Eigentum wesentlich Entwicklungschancen bestimmen. Auf der Zweiten Entwicklungstagung wurde ein gewisser Optimismus spürbar, dass eine andere Welt möglich ist. Benötigen wir dafür auch andere Formen von Eigentum? Welche Vorstellung von Entwicklung ist mit welcher Form von Eigentum vereinbar?
Privare bedeutet rauben.
Privare (lat.) bedeutet rauben, und Privateigentum, das in der Hand weniger konzentriert ist, hat genau diese Auswirkung. Die Privatisierungen sozialer Dienste verschärfen die soziale und regionale Polarisierung und treffen vor allem die Nicht- EigentümerInnen, d.h. die Armen. Die Dritte Entwicklungstagung versucht Konzepte und Strategien zu entwickeln, wie Eigentum nicht ausschließend wirken kann. Hierbei ist an die europäischen Erfahrungen der Selbstverwaltung anzuschließen. Es wird auch notwendig sein, klar zwischen staatlichem, öffentlichem, kommunalem und genossenschaftlichem Eigentum zu unterscheiden, die alle auf unterschiedliche Weise gemeinschaftliches Eigentum darstellen. Genauso wichtig ist aber auch der Blick auf die Peripherie und auf Formen gemeinschaftlichen Eigentums, das in vielen Ländern auf eine sehr lange Tradition zurückblicken kann. Gutes Leben für alle bedeutet, dass alle Menschen Ressourcen nutzen können, die sie für ihr Leben benötigen. Diese Nutzungsmöglichkeit, und nicht das Besitzen von Gütern ist Voraussetzung guten Lebens; dies ist entwicklungspolitisch für alle sicherzustellen.
Zwei Ansätze: Teilhabe und Aneignung.
Konzeptuell gibt es zwei Ansätze, wie dies gedacht werden kann. Das Konzept der Teilhabe strebt danach, dass alle Menschen zu einem Gemeinwesen gehören und es mitgestalten können. Teilhabe bedeutet daher gleichzeitig Mitbestimmung und Zugang zu den Gütern und Ressourcen, die lebensnotwendig sind. Das Konzept der Aneignung ist ein kritisches und utopisches Konzept gleichermaßen. Es kritisiert die Beraubung von Lebensmöglichkeiten, wie dies durch den Landraub oder die Privatisierung von Wasser an der Peripherie ein großes Thema ist. Die Welt darf nicht von einigen wenigen Konzernen angeeignet werden. Im positiven Sinne sucht Aneignung als gemeinsame Anstrengung hingegen nach Organisationsformen, wie öffentliche Dienste und Güter von denjenigen organisiert werden können, die diese auch nutzen. Demokratische Selbstverwaltung stellt eine Form dar, die in unterschiedlicher Weise auf eine lange Tradition in allen Ländern der Welt zurückblicken kann. Teilhaben können und aneignen sind aber beides Tätigkeiten, für die der Zugang zu Dingen, Diensten und Räumen notwendig ist. Die Teilhabe an der Gesellschaft und die Aneignung lebenswichtiger Dienste und Güter ist daher eine Kernfrage der Entwicklungspolitik. Ownership, partnership, participation und stakeholder sind Konzepte, mit denen die Entwicklungszusammenarbeit diesem Umstand Rechnung trägt. Die Frage des Eigentums, die durch das Scheitern des realen Sozialismus verdrängte Schlüsselfrage kapitalistischer Entwicklung, rückt in letzter Zeit vermehrt ins Zentrum der entwicklungspolitischen Diskussionen. Sei dies in der Frage der Privatisierungen, der Patentrechte oder open source.