Ines Zanella (Südwind Tirol) und Pier-Paolo Pasqualoni (Universität Innsbruck und ATTAC Österreich) leiteten bei der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung das Forum mit den Schwerpunkten Privateigentum und Eigentum und Recht.
Vier Grundpositionen waren im Vorfeld der Entwicklungstagung 2005 in einem Reflexionsprozess erarbeitet worden, nämlich eine marxistische, eine liberalistische, eine feministische und eine christliche. Diese vier Grundpositionen wurden nun in Kleingruppen diskutiert. Die marxistische Position sieht Eigentum als ein soziales Verhältnis und nicht nur als ein Verhältnis zwischen Personen und Sachen. Sie lenkt damit das Interesse auf die gesellschaftlichen Ein- und Ausschließungsmechanismen von Eigentum und Produktionseigentum. Im Gegensatz dazu erkennt der liberale Zugang einen individuellen Motivationscharakter im Eigentum: erst Individuen mit Privateigentum handeln frei. Damit ist Privateigentum die Voraussetzung einer „freien“ Gesellschaft. Eine feministische Perspektive verknüpft die Eigentumsfrage mit der Frage nach den Geschlechterverhältnissen und erfasst existentielle Abhängigkeitssituationen, in denen Frauen in eine Rolle als Eigentum von Männern gedrängt werden. Die vierte vorgestellte Grundposition schließlich geht auf die christliche Soziallehre zurück und begreift Eigentum als verbunden mit einer sozialen Hypothek, einer moralischen Verpflichtung den Mitmenschen gegenüber.
Nach dieser ersten Runde wurden neue Kleingruppen formiert, und zwar so, dass jeweils die vier verschiedenen Grundpositionen zusammentrafen: die „ExpertInnen“ stellten die diskutierte Position vor. Die vier Begriffe wurden schließlich nochmals in der großen Runde verglichen und im Raum stehende Fragen wurden gesammelt: Wie kann man Verantwortlichkeit und Motivation für gemeinsame Güter schaffen? Wie ist eine Begrenzung des globalen Privateigentums durchsetzbar? Wie verhält es sich mit Macht und Eigentum? Wie mit Eigentum und Moral? Und wie mit den Widersprüchen zwischen Moral und Machtinteressen? Von welcher Moral oder von welchen Moralvorstellungen sprechen wir überhaupt? Wie sieht es aus mit „undogmatischen“ Konzepten jenseits von Verstaatlichung? Ist die Solidarökonomie ein gangbarer Weg? Diese Fragen flossen in die beiden rund 15-minütigen Impulsreferate ein, die nach der Pause auf dem Plan standen.
Eigentum und indigene Rechte.
Eigentum und Rechtsphilosophie.
Zum solidarischen Eigentum?
Die anschließende Diskussion beförderte noch einige bis dahin verborgen gebliebene Punkte an die Oberfläche, etwa die fehlende Absicherung von Frauenrechten im traditionellen Verständnis oder den gegenwärtig stattfindenden Prozess einer weitgehenden Ökonomisierung der Gesellschaft. Dieser, so wurde von den TeilnehmerInnen festgestellt, sei verbunden mit Entsolidarisierung und Individualisierung und im Falle Österreichs auch mit einer nur schwach entwickelten Zivilgesellschaft mit wenig Streitkultur. Am Ende blieb zwar keine Zeit mehr für eine Diskussion über konkrete Fallbeispiele von alternativen Eigentumskonzepten, die TeilnehmerInnen gingen aber mit dem Wissen um die Wichtigkeit von gemeinschaftlichen Eigentumsvorstellung und von solidarischen Eigentumsordnungen in die weitere Tagung.
Der Autor studiert Internationale Entwicklung in Wien. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at