Abschlussplenum: Ein Beispiel und zwei Ausblicke.

Das Abschlussplenum der Entwicklungstagung sah sich der Herausforderung gegenüber, die Themen auf eine Handlungsebene zu bringen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Nachdem Fred Kabuye ein Beispiel präsentiert hatte, war es Elmar Altvaters und Beckie Malays Aufgabe, ihren Ausblicken und Forderungen für die Zukunft Ausdruck zu verleihen.

Was tun?

Im letzten Teil der Tagung ging es vermehrt um konkrete Handlungsanleitungen. Was können wir tun? Wie kann man in Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit das Konsumverhalten ändern und Effizienz in der Produktion steigern? Was sind die Ergebnisse der Tagung und welche Ausblicke haben wir? Diese Fragen stellte die Moderatorin Martina Neuwirth (Grüne Bildungswerkstatt) in engen Zusammenhang mit der politischen Diskussion über Entscheidungen, Finanzierungen und Demokratie. Gleich zu Beginn stellte Fred Kabuye dazu fest, dass heutzutage niemand mehr PolitikerIn sein will und forderte die TagungsteilnehmerInnen deshalb auf, wieder mehr Verantwortung zu übernehmen und Politik selbst in die Hände zu nehmen.

Ein Netzwerk für die Umwelt.

Fred.So Das von Fred Kabuye im Rahmen der UNDP initiierte „Africa2000Network“ aus Uganda besteht inzwischen seit 18 Jahren und verbindet 13 Länder Afrikas, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.

Es engagiert sich für die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung einerseits und den Schutz der natürlichen Ressourcen andererseits.Demnach soll eine ökologisch nachhaltige Entwicklung auf einer verbesserten technologischen Basis gefördert werden, wobei Frauen, Männer und Jugendliche gleichermaßen an der Gestaltung beteiligt sind. Neben der Intensivierung der Biolandwirtschaft in Uganda steht die Unterstützung der unternehmerischen Fähigkeiten der Bauern und Bäuerinnen für Ernährungssicherung und ein erhöhtes Haushaltseinkommen im Mittelpunkt des Netzwerks. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, die politischen Systeme der Länder zu funktionierenden Demokratien nach den Regeln der „Good Governance“ zu verändern und die lokalen Institutionen zu stärken. Neben den Erfolgen des Africa2000Network zeigt das Beispiel gleichzeitig auf, wie vielen Herausforderungen wir noch gegenüber stehen. Abschließend rief Fred Kabuye die TeilnehmerInnen der Tagung dazu auf, immer weiter zu lernen und für neue Ideen offen zu sein. Er unterstrich die Wichtigkeit von Partnerschaften und der gemeinsamen Reflexion und möchte die aus der Tagung resultierende Motivation mit nach draußen nehmen.

Zurück hinter die Grenzen!

Zurück hinter die überschrittenen Grenzen der Globalisierung! das forderte Elmar Altvater im zweiten Teil des Abschlussplenums. Er sieht den alarmierenden Fortschritt des Klimawandels als klaren Aufruf zur Gesellschaftsveränderung und Neuorganisierung. Wir müssen dringend daran arbeiten, weniger Natur zu verbrauchen und endlich anfangen, uns zu bescheiden.
Jedoch sei laut dem Autor des Buches „Grenzen der Globalisierung“ nicht nur eine Umorientierung jedes/r Einzelnen notwendig, sondern es gehe vor allem um eine große politische Aufgabe, wofür es neue Gesetzmäßigkeiten und Akteure brauche. Als ein Beispiel für diese Grenzen sprach Altvater von dem Problemfeld der fossilen Energieträger. Die Ölvorräte auf der Welt werden schon bald erschöpft sein, weshalb wir uns dringend auf bestehende Alternativen konzentrieren und die von der Macht ressourcenstarker Länder gekennzeichnete politische Geographie aufbrechen sollen. Er forderte eine gesellschaftliche Veränderung für eine andere Form der Mobilität mit Solarenergie. Wachstum und die damit zusammenhängende steigende Ungleichheit gibt es laut Altvater erst seit der industriellen Revolution. Seither sei jede Generation doppelt so reich wie die vorangehende. Dieses Modell der unnatürlichen kapitalistischen Akkumulationsdynamik stoße aber an seine Grenzen, daher auch hier Altvaters klare Forderung zum Rückschritt und zum Aufbruch des Wachstumszwangs. In Zusammenhang mit der Finanzssituation klagte Altvater an, dass die Wachstumserfolge die Kredite bzw. Zinsen fast nie einbringen können. Demnach bedeute Wachstum gleich Schulden, weshalb es niemals die Lösung, sondern vielmehr ein Teil des Problems sei.

Die Menschen schlafen, weckt sie auf!

Konkret über das „Wachstumsproblem“ auf den Philippinen sprach Beckie Malay. Laut Statistiken verzeichne das Land ein relativ hohes Wirtschaftswachstum, jedoch werde dieses in Konsum und nicht in Produktion gemessen, was über die eigentlich vorherrschende Armut im Land hinwegtäusche.

De facto sorge es weder für neue Arbeitsplätze, noch für Ernährungssicherheit oder ein funktionierendes Gesundheitssystem. Die Armut werde verstärkt, es herrsche soziale Ungleichheit und Unsicherheit. Außerdem nehme die wachsende Wirtschaft keinerlei Rücksicht auf die Umwelt und unterstütze Korruption. Beckie Malay beklagte, dass dieses Wachstum so viele Menschen in ihrer Gesellschaft ausschließe. Um etwas an dieser Situation zu verändern, übernimmt die starke philippinische Zivilgesellschaft hier aus der Sicht von Beckie Malays NGO Freedom from Debt Coalition eine entscheidende Rolle, indem sie Druck auf die Regierung ausübt und Good Governance sowie den Schutz der natürlichen Ressourcen im Land fordert. Sie stellt die Menschen nicht die Wirtschaft in den Mittelpunkt von Entwicklung und versucht vehement, die Biolandwirtschaft landesweit durchzusetzen.

„Die Menschen schlafen, weckt sie auf!“, forderte Beckie Malay. Mobilisiert sie, für das Recht auf Entwicklung zu kämpfen, organisiert euch und gebt den Menschen eine Stimme! Demokratisiert Wohlstand, nicht Armut! Die Tagungsthemen Wachstum, Umwelt und Entwicklung seien Themen, die viel Aufmerksamkeit brauchen, weshalb sie nie genug diskutiert werden können. Wie bereits Kabuye, betonte auch sie die Wichtigkeit von solidarischen Verbindungen und Partnerschaften.

Nach einer kurzen abschließenden Publikumsdiskussion endete die 4. Österreichische Entwicklungstagung und entließ die TeilnehmerInnen mit dem Aufruf zu Mobilisierung, Veränderung und Politisierung.

Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Freire Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

Veröffentlicht in Entwicklungstagung 2008.