Im Rahmen der 6. Entwicklungstagung (14.-16. November 2014) boten Magdalena Scharl (BIZEPS), Magdalena Kern (Licht für die Welt) und Joanna Kinberger (Diakonie) einen Workshop zum Thema Inklusion und Barrierefreiheit in der Entwicklungszusammenabeit (EZA) an.
Am Workshop nahm neben den sechs Interessierten auch der Abgeordnete zum Nationalrat Franz-Joseph Huainigg teil, der als Ressourcenperson zur Verfügung stand. Nach einer Vorstellrunde fanden die TeilnehmerInnen unter ihren Sesseln jeweils ein Kuvert vor, das die Beschreibung einer körperlichen Behinderung und Utensilien wie Ohrstöpsel oder Augenbinden enthielt. Durch die Simulation einer körperlichen Einschränkung sollten die TeilnehmerInnen entsprechende Barrieren für Menschen mit Behinderungen im alltäglichen Leben ausmachen. Die erfahrenen Barrieren wurden gesammelt und in verschiedene Kategorien eingeteilt.
Soziale, kommunikative, physische und institutionelle Barrieren
Als erstes wurden soziale Barrieren wie Angst und Vorurteile von Mitmenschen besprochen. Viele Menschen begegnen dem Thema Behinderung mit von Klischees abgeleitetem Verhalten. Formate wie „Licht ins Dunkel“ würden diese Klischees, wie zum Beispiel die Opferrolle von Menschen mit Behinderung, reproduzieren. Anschließend wurden kommunikative Barrieren diskutiert. Als Beispiele wurden Gehörlosigkeit und die Abhängigkeit von blinden Menschen von in Braille-Schrift verfassten Informationen diskutiert. Öffentliche Räume wie Restaurants, Ämter und Verkehrsmittel ohne barrierefreien Zugängen stellen physische Barrieren dar. Institutionelle sowie infrastrukturelle Barrieren manifestieren sich unter anderem in Zusatzkosten für Hilfsmittel oder Lebensbehelfe und die Exklusion von der Mehrheitsgesellschaft durch sonderpädagogische Einrichtungen. Die Erfahrungen der TeilnehmerInnen mit diesen Barrieren und den simulierten Einschränkungen wurden reflekiert und aufgearbeitet, sowie Probleme und Lösungsansätze besprochen. Aber auch die globale Perspektive wurde diskutiert: Insgesamt gebe es eine Milliarde Menschen mit Behinderungen auf der Welt, wobei 80% der Betroffenen in Entwicklungsländern leben und nur vier Prozent davon erhalten adäquate Unterstützungsmaßnahmen, führte Johanna Kinberger aus.
Zusammenhang zwischen Behinderung und Armut
Eine Behinderung, ob körperlich oder geistig, sei ein starker Indikator für ein Leben in oder an der Grenze zu Armut, so Kinberger. Menschen mit Behinderung seien im täglichen Leben zahlreichen Barrieren ausgesetzt. Vor allem die Barrieren in finanzieller Hinsicht seien von Bedeutung, sowie die Problematik, keiner adäquaten Ausbildung nachgehen zu können. Die Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft und deren Folgen seien vielfältig: Die Verdrängung von Menschen mit Behinderung in Sonderschulen oder speziellen Einrichtungen beispielsweise erweiße sich nach heutigem Forschungsstand eher zum Nachteil als zum Vorteil für sie. Daher sei die Inklusion dieser Menschen anzustreben, was auch die Möglichkeit des Besuches allgemeiner Schulen und Ausbildungsstätten mit einschließe, schloss die Vortragende.
Gedankenspiel
Im letzten Abschnitt des Workshops fand ein Beispiel-Projekt zu Grundschulbildung in einem fiktiven Land, „Nordwest-Utopia“ statt. Hierbei sollten die TeilnehmerInnen alle Bereiche der Schulbildung und des Schulalltages in Hinblick auf Inklusion erläutern. Dies inkludierte die notwendige Infrastruktur wie Gebäude und Klassen sowie sanitäre Anlagen am Schulgelände und entsprechende Transportmöglichkeiten der Kinder zwischen Schul- und Wohnort. Auch die Finanzierung und Unterstützung der Lehrpersonen, Gehälter und spezielle Ausbildungen für LehrerInnen sollten beachtet werden. Ebenso mussten die Kinder finanziell unterstützt werden, um den Schulbesuch leistbar zu machen, sowie eine entsprechende medizinische Versorgung in der Region gewährleistet werden. Nicht zuletzt benötigte die Schule auch Ressourcen, um überhaupt einen entsprechenden Schulunterricht abhalten zu können. Dies bedinge eine entsprechende Ausstattung der Klassenräume mit geeignetem Lehr- und Lernmaterial.
Einen weiteren wichtigen Teil des Projektes stellte die Bewusstseinsbildung der Öffentlichkeit in der Region dar. Dies wurde am Beispiel der Gründung von Eltern-Vereinen zur Einbindung der Familien, sowie der Gründung von Schul-Klubs zur Stärkung der Interessen der Kinder gezeigt. Als abschließende Übung planten die TeilnehmerInnen eine Medienkampagne zum Recht auf Bildung im Rahmen der UN-Milleniumziele.
Der Autor studiert Politikwissenschaft an der Universität Salzburg. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at