Workshop 14: Von der ökosozialen Idee zur Global Marshall Plan Initiative.

Wirtschaft, Ökologie und Soziales nachhaltig miteinander in Einklang bringen – das ist die ökosoziale Idee, die im Zusammenhang mit den Sustainable Development Goals (SDGs) im Workshop 14 der Entwicklungstagung 2017 zur Diskussion gestellt wurde. Josef Riegler (Ökosoziales Forum/Global Marshall Plan), Yasmin Dorfstetter (Impulse für zukunftsfähige Lebensstile und Arbeitsbedingungen) und Iris Oberklammer (IUFE) tauschten sich mit rund 15 TeilnehmerInnen über den Weg der ökosozialen Idee zum Global Marshallplan und Handlungsmöglichkeiten im Sinne der SDGs aus.

 

Nachhaltigkeit und die Global Marshallplan Initiative.

Einleitend zeichnete Josef Riegler, ehemaliger Vizekanzler Österreichs, die historische Entwicklung der Global Marshallplan Initiative (GMPI) seit den 1980er Jahren nach. Von der anfänglichen ökosozialen Idee, die Riegler bereits 1987 in seiner Antrittsrede als neue Perspektive formulierte, bis hin zur Gründung des ökosozialen Forums Österreich 1992 und der GMPI im Jahr 2003 ging es um ein zentrales Anliegen: Wie kann zwischen der Sicherung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und dem Erhalt von sozialem Frieden und den natürlichen Lebensgrundlagen eine Balance hergestellt werden?

Obwohl Nachhaltigkeit spätestens seit der Rio-Konferenz 1992 auf dem internationalen Parkett diskutiert wurde, war es erst die Finanzkrise 2008, die zu einem Umdenken und der Suche nach einem neuen Paradigma geführt habe, so Riegler. Dieses neue Paradigma sei im Ansatz einer grünen und inklusiven Wirtschaft gefunden worden und spiegle das Zwei-Säulen-Modell der GMPI wieder. Dabei werden einerseits faire Entwicklungschancen für alle und andererseits faire Spielregeln für die Weltwirtschaft gefordert. Die GMPI verstehe sich dabei als wichtiger Impulsgeber und versucht über Vorträge, Lokalgruppen oder Projekte wie „Plant for the Planet“ diese Ziele zu verfolgen.

Auch wenn eine neue Synthese zwischen Wirtschaft, Sozialem und Ökologie noch nicht erreicht wurde, so seien die Millennium Development Goals (MDGs) oder deren Nachfolge-Ziele, die Sustainable Development Goals (SDGs), als wichtige Schritte in Richtung sozial-ökologische Nachhaltigkeit zu sehen.. Kritische Worte zu den SDGs oder dem Ansatz einer grünen Marktwirtschaft blieben nicht nur von Seiten der ModeratorInnen, sondern auch von Publikumsseite aus.

Von Kyoto nach Österreich.

Yasmin Dorfstetter übernahm die Moderation mit der an die TeilnehmerInnen gerichteten Frage, ob das Kyoto-Protokoll in ihren Augen erfolgreich abgeschlossen wurde. Ziel des Kyoto-Protokolls war es, den Co2-Ausstoß bis 2012 im Vergleich zum Stand von 1990 um 5,2 Prozent zu verringern. Alle waren sich einige, dass dieses Ziel nicht erreicht wurde. Dorfstetter erklärte daraufhin jedoch, dass das Kyoto-Protokoll tatsächlich erfolgreich abgeschlossen wurde, sich die Rahmenbedingungen aber derart verändert hätten, dass der Abschluss – obwohl rechnerisch positiv – wenig gebracht habe. Dennoch sei in Bezug auf das Kyoto-Protokoll positiv zu vermerken, dass es sich erstmals um völkerrechtlich verbindliche Zielwerte handelte.

 

Nachdem sich die anfängliche Überraschung über den positiven Abschluss des Kyoto-Protokolls gelegt hat, stellte Yasmin Dorfstetter einige Initiativen vor, die in Österreich im Bereich Klimaschutz aktiv sind: Von Netzwerken wie „System Change not Climate Change“ über die „Initiative Zivilgesellschaft“ oder „Gutes Leben für alle“ präsentierte sie exemplarisch eine Bandbreite an Organisationen, die in unterschiedlichen Strukturen und Herangehensweisen versuchen, dem Klimawandel entgegen zu wirken. Daraufhin hatten die WorkshopteilnehmerInnen die Möglichkeit selbst Initiativen, Organisationen oder Projekte vorzustellen und diese mit den SDGs in Verbindung zu bringen.

Ziel dieser Aufgabe war es, die SDGs auf eine praktische Ebene herunter zu brechen und konkret zu analysieren, welchem SDG das jeweilige Projekt zurechenbar ist. Beispielsweise fördere das Projekt In[ter]ventions, das auch Teil der diesjährigen Entwicklungstagung war und bei dem es in erster Linie um (studentische) Vernetzung im Uni-Betrieb und die Förderung von jungen WissenschafterInnen geht, das SDG 4 (Bildung). Die Initiative „Weltgebetstag der Frauen“, die Frauen aus verschiedenen Kirchen verbinden will und die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen darstellt, fördere vor allem das SDG 5 (Geschlechtergleichheit). Auffallend an der Analyse war, dass die meisten Initiativen mehreren SDGs zurechenbar sind. Kurz angeschnitten wurde außerdem die Fragmentierung der zivilgesellschaftlichen Organisationen und die Frage, wie mit bestehenden Herausforderungen – wie etwa dem Mangel an finanziellen Ressourcen – umgegangen werden könnte. Ein Vorschlag von Seiten Dorfstetters war es, Büroräumlichkeiten beispielsweise gemeinsam zu nutzen.

 

Zum Abschluss wurden die TeilnehmerInnen aufgefordert, sich konkret zu überlegen, was ihre Wünsche für die Zukunft sind und wie sie diese gestalten möchten. Dass sich diese Wünsche mithilfe der vorgestellten Initiativen irgendwann erfüllen lassen, bleibt zu hoffen.

 

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Fotos: Fabian Franta ©Paulo Freire Zentrum

Veröffentlicht in Entwicklungstagung 2017.