Menschenrechtsbildung um Menschen in ihren Rechten zu ermächtigen: Dieses Ziel haben sich Amnesty International Österreich und das Europäische Trainings- u. Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie gesetzt und bei der Entwicklungstagung im Workshop 8 am 18. Nov. 2017 diskutiert.
Ein Bild von fünf Kindern, die im Zug lächelnd in die Kamera blicken. Dieses Bild, das völlig alltäglich erscheint, ist jedoch nicht in jedem Land selbstverständlich. Schon eine solche kleine Szene aus dem Alltag dokumentiert eine Fülle an Rechten, die in manchen länderspezifischen Kontexten leider noch immer nicht zum Alltag gehören. Die Rede ist von Menschenrechten – Rechte, wie sich frei bewegen zu dürfen, frei und gleich an Würde und Rechten geboren zu sein, oder auch das Recht auf Erholung und Freizeit. Dies sind nur einige wenige Aspekte, die aus diesem Bild herausgelesen werden können. Am Beginn des Workshops zum Thema Menschenrechtsbildung, gestaltet vom österreichischen Partnerschaftsprogramm für höhere Bildung und Forschung für Entwicklung (appear), sollten alle TeilnehmerInnen ihre Smartphones zücken und ein Foto auswählen, an dem ein Menschenrecht zu erkennen sei. Im Folgenden thematisierten Mitarbeiterinnen von „Amnesty International Austria“ und dem „Europäisches Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie“ der Universität Graz (UNI-ETC) die Herausforderungen der Menschenrechtsbildung.
Bei Menschenrechtsbildung gehe es um die Wissens- und Bewusstseinsbildung von Menschen allen Alters. In Form von Workshops für Kinder oder Erwachsene, über Online-Kurse, Trainingsprogramme sowie Vorlesungen und ähnliches, versuchen die verschiedenen Initiativen, diese subjektiven Rechte durch Wissen, Bewusstseinsbildung und Kompetenzen zu vermitteln. Personen, die an den verschiedensten Programmen teilnehmen, sollen dabei verstehen lernen, dass Menschenrechte, in ihrer Gesamtheit, überall und für alle Menschen gültig und zugänglich sein sollten.
Eine Forschungseinrichtung für lokale und globale Vernetzung.
Das UNI-ETC ist eine der Einrichtungen, die sich mit Forschung, Lehre und Wissensvermittlung im Bereich der Menschenrechte einsetzen. Neben der internen Bildung an der Universität (über Vorlesungen, dem UNESCO-Chair zur Unterstützung der Ziele von lebenslangem Lernen und Menschenrechtsbildung als Mittel einer Förderung globaler BürgerInnen, zur Schaffung inklusiver Gesellschaften und zur Förderung von Frieden und Stabilität) versucht das Forschungszentrum die Umsetzung auch über partnerschaftliche Programme. Im Programm „Advanced Academic Partnership for Legal and Human Rights Education” (AAPLHRE) arbeitet UNI-ETC gemeinsam mit zwei Universitäten in Äthiopien daran, gemeinsame Menschenrechtsforschung und -lehre weiterzuentwickeln.
Menschenrechtsbildung in Äthiopien – ein Beispiel.
Die Verfassung von Äthiopien enthalte eine Vielzahl von Menschenrechten, die jedoch im realen Alltag nicht in dieser Form umgesetzt werden. Amnesty International beklage seit einigen Jahren eine Reihe an Menschenrechtsverletzungen, wie Verletzungen der Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit und andere mehr. Die Regierung vertrete die Meinung, dass sie kein Geld habe, um eine Gesellschaft zu kreieren, die eigene Rechte hat. Forderungen nach Menschenrechten und die Sensibilisierung der Bevölkerung stellen in diesem Kontext eine große Herausforderung für die ForscherInnen des Kooperationsprogrammes dar. Weitere Herausforderungen, wie das Interesse für demokratische Wahlen zu schüren, die Umsetzung der Verfassung und der Einsatz für freie Meinungsäußerung, gestalten sich als schwierig. Vor allem über die Bildung der Bevölkerung innerhalb und außerhalb der Universität versuche das Programm dennoch, Wissen zu schaffen und den Druck auf die Regierung zu erhöhen.
Viele Wege zu Menschenrechten für alle.
Die Anforderungen an eine Menschenrechtsbildung sind – wie sich aus dem Beispiel zeigt – in unterschiedlichen Ländern sehr verschieden. Unabhängig davon, ob in einer Schule in Österreich, wo Kinder ihre Fotos am Handy als praktische Beispiele heranziehen, oder in einem Projekt in Äthiopien, wo es um das Recht der freien Meinungsäußerung geht, sei es das Zentrale am Ansatz der Menschenrechtsbildung, Menschen zu ermächtigen, sie zu „empowern“. Über eine Vielzahl verschiedener Methoden und Kooperationen sollten eigene Rechte verständlich gemacht werden, um dadurch eine humanere Welt zu schaffen, so die Schlussfolgerungen des Workshops.
Die Autorin studiert Internationale Entwicklung. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at
Weiterführende Links:
– Zur Seite der Entwicklungstagung: www.entwicklungstagung.at
– Zu weiteren Artikeln über die Tagung: https://www.pfz.at/list193.htm
Fotos: Fabian Franta © Paulo Freire Zentrum