Workshopsprache: Deutsch oder Englisch (je nach Bedarf)
Der Zugang zu Land ist in Afrika eine zentrale Herausforderung, die tiefgreifende Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität hat. Landnutzungsregime bestimmen, wer Land nutzen darf, unter welchen Bedingungen dies geschieht und welche Rechte damit verbunden sind. Diese Regeln sind eng mit historischen, sozialen und institutionellen Gegebenheiten verknüpft und unterscheiden sich sowohl zwischen Ländern als auch innerhalb einzelner Regionen erheblich.
Im Rahmen dieses Workshops werden erste Ergebnisse eines interdisziplinären Forschungsprojekts vorgestellt und diskutiert. Das Projekt untersucht Landnutzungsregime in Afrika aus verschiedenen Perspektiven (Land tenure regimes, Boone; limited access orders, North et al.; citizen and subject, Mamdani), um einen integrierten und vergleichenden Ansatz zu entwickeln. Der Zugang zu Land ist von zentraler Bedeutung für wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Prozesse und prägt die Machtverhältnisse in Gesellschaften – insbesondere in afrikanischen Ländern, deren Wirtschaft stark von der Landwirtschaft abhängt und in denen Land eine Schlüsselressource für den Lebensunterhalt und die soziale Teilhabe darstellt.
Da der Staat den Zugang zu Land häufig direkt oder indirekt kontrolliert, bieten Landnutzungsregime ein anschauliches Beispiel, um Fragen zu Autoritarismus und den Möglichkeiten demokratischer Mitbestimmung in Afrika zu beleuchten. Gleichzeitig spielen diese Institutionen eine entscheidende Rolle dabei, wie Konflikte um Land entstehen, gelöst oder unterdrückt werden – sei es innerhalb von Familien oder auf der Ebene nationaler Politik.
Nach einem kurzen Input werden wir diese Themen gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmer:innen diskutieren. Dabei möchten wir sie einladen, sich mit zentralen Fragen auseinanderzusetzen, die uns im Projekt beschäftigen: Wie können wir allgemeine Zusammenhänge und lokale Besonderheiten sinnvoll miteinander verbinden? Wie lassen sich theoretische Ansätze in die praktische Arbeit integrieren? Und welche Erkenntnisse können aus den diskutierten Perspektiven für die Entwicklungspraxis und -politik gewonnen werden?
Workshopleitung:
Andreas Exenberger ist Ökonom und Wirtschafts- und Sozialhistoriker an der Universität Innsbruck. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der globalen Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie der Institutionenökonomie mit einem Fokus auf Entwicklung und Ungleichheit, insbesondere in Afrika.
Bettina Mahlert ist Soziologin an der Universität Innsbruck. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen soziologische Theorie, Gesellschaft, Politik und Staatsbürgerschaft, soziale Ungleichheiten sowie Entwicklung und Mobilität.
In diesem Projekt arbeiten Andreas Exenberger und Bettina Mahlert mit Kolleg:innen aus der Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie an der Debre Markos University in Äthiopien, dem Management Center Innsbruck und der Universität Innsbruck zusammen.
Network of Areas (NoA) an der Universität Innsbruck: Im Zeitalter der Globalisierung ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Regionen der Welt von zentraler Bedeutung. Die Universität Innsbruck pflegt hierfür internationale Kooperationen mit Hochschulen, Netzwerken und Forschungsverbünden. Das Network of Areas (NoA) bündelt die Perspektiven auf ausgewählte Regionen der Welt und untersucht gesellschaftlich relevante Themen und regionale Herausforderungen.