Teil 1 der Artikelreihe über das SDG Dialogforum Österreich 2021.
Am 28. September 2021 fand das SDG Dialogforum Österreich statt. Unter dem Titel „Building forward better mit der Agenda 2030 – Gemeinsam für eine nachhaltige Entwicklung nach COVID-19“, lud die Republik Österreich, das Ban Ki-moon Centre for Global Citizens, SDG Watch Austria und das Naturhistorische Museum Wien zu einem Austausch zwischen Politik und Zivilgesellschaft.
Die Agenda 2030 mit den 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen, auf Englisch Sustainable Development Goals (SDGs), wurde 2015 von den Vereinten Nationen in New York beschlossen. SDG 17 „Partnerschafen zur Erreichung der Ziele“ folgend, soll dieses neue Format des Dialogforums ab sofort jährlich Multi-Stakeholder-Partnerschaften (dt.: Partnerschaften mit einer Vielzahl von Interessensvertreter*innen) in Österreich fördern. Der Fokus des ersten Dialogforums lag auf Herausforderungen und Möglichkeiten beim Weg aus der COVID-19-Pandemie. Die Veranstaltung fand hybrid statt: für die Podiumsgäste im Naturhistorischen Museum und für die Teilnehmer*innen online.
Monika Fröhler, CEO des Ban Ki-Moon Centre, eröffnete das Forum und führte als Moderatorin durch den Nachmittag. Auch Karoline Edtstadler, die als Bundesministerin für EU und Verfassung mitverantwortlich für die Umsetzung der SDGs in Österreich ist, richtete Grußworte an die Gäste. Dabei betonte sie die Bedeutung des ersten Freiwilligen Nationalen Berichts zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele/SDGs (FNU) vom 15. Juli 2020 als Ausgangspunkt für eine beschleunigte Umsetzung der SDGs. Peter Launsky-Tieffenthal, Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten, plädierte anschließend für eine engere Zusammenarbeit mit dem globalen Süden und lobte den 6. Platz Österreichs im SDG Ranking der UN. Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, interpretierte die Agenda 2030 als Standortstategie, um zukünftige Generationen zu begünstigen.
Mit Thomas Alge vom Ökobüro bzw. SDG Watch Austria kam schließlich ein Vertreter der Zivilgesellschaft zu Wort. Er warnte, dass die Covid-19-Krise Ungleichheiten und Gewalt gegen Frauen und Minderheiten verschärfe. Die Zahl der Menschen, die mit 1,6 Euro pro Tag, also in extremer Armut, lebten, würde auf über eine Milliarde ansteigen. „Ein gutes Leben für alle ist möglich. Das will die Agenda 2030 und das will SDG Watch Austria!“, schloss er. Ban Ki-Moon, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen, hob hervor: „Die SDGs sind so wichtig wie noch nie!“ Katrin Vohland, Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums, verwies zuletzt auf den Song von Tim Bendzko: Nur noch kurz die Welt retten, in dem jugendlicher Übermut mitschwinge. Diesen brauche man auch für die Umsetzung der SDGs – und viele Partner.
Kleingruppenarbeit in Innovation Pools.
In geschlossenen Gruppen fand anschließend ein Austausch zu folgenden Themen statt: Digitalisierung; Klimaschutz und Klimawandelanpassung; Frauen, Jugend und „Leaving no one behind“ (dt.: niemanden zurücklassen); und Österreich im globalen Kontext. Sogenannte Rapporteur*innen berichteten danach in der offenen Runde von den Gesprächen und gaben zwei Fragen für die nächste Diskussion unter den Politiker*innen weiter.
Digitalisierung: Chance oder Barriere?
Marco Schimpl (Bundeskanzleramt) berichtete, dass Digitalisierung von der Gruppe als große Chance gesehen werde für die Umsetzung der SDGs und für die sozial-ökologische Transformation. Als Fragen wurden formuliert: Welche Chancen und Herausforderungen bringt die Digitalisierung für die Umsetzung der SDGs? Und: Welche innovativen Lösungsansätze bietet die Digitalisierung für die Agenda 2030?
Klimaschutz und Klimawandelanpassung: Steuern und Gesetze benötigt.
Leo Hauska (FuturAbility) und Miriam Schönbrunn (CliMates Austria) gaben vom Gespräch in der zweiten Arbeitsgruppe weiter: Oberste Priorität habe eine ökosoziale Steuerreform. Außerdem wurde auf eine Klimawandel-Landkarte des Instituts für Höhere Studien (IHS) verwiesen, in der Förderer von erneuerbaren Energien und Barrieren für Klimaschutz identifiziert werden. Neu und positiv zu beurteilen im FNU sei die Kreislaufwirtschaft. Außerdem brauche es ein Klimaschutzgesetz mit einem Ausstiegsfahrplan aus Öl und Kohle sowie einem einklagbaren rechtlichen Rahmen. Ihre Fragen lauteten: Wie können Konsument*innen leichter nachhaltige Entscheidungen treffen? Wieso wird in Österreich über einen CO2-Preis von 20-30€/Tonne diskutiert, wenn bekannt ist, dass erst 100€/Tonne CO2wirken?
Frauen, Jugend und „Leaving no one behind“: Intersektionalität beachten.
Maciej Palucki (UniNetz) fasste zusammen: Arbeitslose, Jugendliche und Alleinerziehende seien von der Pandemie am meisten betroffen. Intersektionalität, also eine Überschneidung von vulnerablen Gruppen, sei als Grundbedingung für Lösungen mitzudenken. Um ungleicher Verteilung von Sorgearbeit und Lohnarbeit vorzubeugen, forderten sie eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Miriam Egger (UN Youth Delegate) ergänzte: Für die Unterstützung vulnerabler Gruppen brauche es einen niederschwelligen Zugang. Es solle mit jungen Menschen gesprochen werden, denn: „Jede*r ist Expert*in für die eigene Lebensrealität.“ Gefragt wurde: Was wird konkret getan für Geschlechtergleichheit bei Sorgearbeit? Wie werden vulnerable Gruppen wie LGBTIQ*-Personen in ihren Rechten gestärkt? Und: Was sind konkrete Schritte betreffend die mentale Gesundheit und den Bildungsstau von Kindern und Jugendlichen durch Covid-19?
Österreich im globalen Kontext: Bildung, Ernährung, Gesundheit und Resilienz.
Franz Fehr (SDG-Koordinator der BOKU) berichtete von den eben genannten vier Foki der Diskussion in seiner Gruppe. Die Vorschläge lauteten, lokale Nahrungsmittelsysteme zu stärken, Gesundheit als Schwerpunkt der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit einzuführen und Open Data (dt.: offene Daten), um dem globalen Süden Zugang zu gewissen Informationen zu bieten. Ihre Fragen: Welche Möglichkeiten hat Österreich in der internationalen Zusammenarbeit? Und welche Änderungen wird es im Dreijahresprogramm der SDGs geben?
Diese Fragen, die von der Zivilgesellschaft erarbeitet wurden, wurden im zweiten Teil des SDG Dialogforums von Politiker*innen und Expert*innen aufgegriffen und besprochen.
Weiter zum Teil 2 der Artikelreihe zum SDG Dialogforum Österreich 2021.
Die Autorin ist Mitglied des Redaktionsteams. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.
Weiterführende Links:
Zu Programm und Aufzeichnung des SDG Dialogforums Österreich
Ban Ki-Moon Centre for Global Citizens
Klimawandel-Landkarte Österreichs
TItelbild © flickr, creative commons