Workshop 5: Transforming Norms, Building Futures: Justice and Empowerment for Massai Women in Tanzania.

In Tansania, einem Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, befinden sich kulturelle Normen und Frauenrechte häufig in einem Spannungsfeld. Eva-Maria Wimmer und Elisabeth Stöhr moderierten auf der Entwicklungstagung 2025 einen vom Welthaus der Diözese Innsbruck und der Dreikönigsaktion organisierten Workshop, der sich mit Herausforderungen und Chancen der Arbeit in dem ostafrikanischen Land auseinandersetzte. Als Referentinnen teilten Namnyak Sinandei und Grace Scorey vom Pastoral Women’s Council (PWC) ihre fachliche Expertise sowie persönliche Erfahrungen in Projekten mit Massai-Gemeinden im Norden Tansanias.

Hintergrund: Der Pastoral Women’s Council.

Der Pastoral Women’s Council wurde 1997 von neun Massai-Frauen mit dem Ziel gegründet, patriarchale Strukturen zu überwinden und Mädchen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Viele Frauen in Massai-Gemeinschaften sind mit erheblichen Hürden konfrontiert: mangelnder Zugang zu Gesundheitsversorgung, ökonomische Abhängigkeiten, fehlende Eigentumsrechte über Vieh oder Land und eine hohe Arbeitsbelastung. Grace Scorey und Namnyak Sinandei arbeiten daran, diese Barrieren abzubauen. Beide betonten, dass die Förderung junger Frauen und Mädchen nicht nur ein sozialer Auftrag sei, sondern ein Weg zu gleichberechtigten und resilienten Gemeinschaften.

Einstieg: Interaktive Übungen und Wissensräume.

Die Referentinnen wählten einen lebendigen Einstieg in das interaktive Workshop-Format: Die Teilnehmenden wurden gebeten, sich im Raum zu verteilen und durch ihre Position zu zeigen, wie viel Vorwissen über Tansania vorhanden sei. Anschließend folgte eine Schätzrunde, in der Zahlen zu Bevölkerung, Viehhaltung oder Bildungszugang geschätzt wurden. Diese Übungen verdeutlichten sowohl die Vielfalt des Vorwissens als auch verbreitete Fehlannahmen über das Land. Die Atmosphäre war dabei freundlich und offen, was eine dynamische Zusammenarbeit ermöglichte. Der Workshop war gut besucht, was das Interesse an den Themen Geschlechtergerechtigkeit, Entwicklungszusammenarbeit und globalen Partnerschaften zeigte.

Alltag der Massai: Lebensrealitäten und kulturelle Symbole.

Grace Scorey gab im Hauptteil des Workshops einen detaillierten Einblick in das alltägliche Leben in Massai-Gemeinschaften. Sie schilderte Arbeitsteilung, Rollenverständnisse und den hohen Stellenwert des Viehs. Kühe seien, so erläuterte sie, nicht nur ökonomische Ressource, sondern kultureller Wertträger und sozialer Sicherheitsanker. Um diese Zusammenhänge zu veranschaulichen, ließ sie verschiedene traditionelle Gegenstände durch den Raum geben. Besonders eindrücklich war ein längliches, hölzernes Gefäß, das traditionell für das Trinken von Milch verwendet wird. Jedes Objekt stand für eine soziale Funktion, eine alltägliche Tätigkeit oder eine kulturelle Bedeutung. Die Gegenstände ermöglichten einen sinnlichen Zugang zur Lebenswelt der Massai, die von den beiden Referentinnen nach Innsbruck gebracht und von den Teilnehmenden positiv aufgenommen wurde.
Ergänzend erklärte Scorey die Bedeutung der Farben der tansanischen Flagge: Grün für die fruchtbaren Landschaften, Gelb für die Bodenschätze, Schwarz für das Volk und Blau für die Seen und den Indischen Ozean.

PWC-Projektarbeit: Bildung, Leadership und ökonomische Unabhängigkeit.

Im Anschluss präsentierten die Referentinnen die zentralen Arbeitsfelder des PWC. Mithilfe einer PowerPoint-Präsentation mit zahlreichen Bildern wurde die Projektarbeit illustriert: Beginnend bei Bildungsinitiativen fördert die Organisation den Aufbau von Mädchenwohnheimen, Schulstipendien und Programmen, die Eltern über den Wert von Bildung informieren. Im Bereich Frauenrechte und Leadership bieten sie Trainings für Frauen und Gemeindeführer*innen an, um Diskriminierung abzubauen und Frauen politische Teilhabe zu ermöglichen. Die ökonomische Dimension von Selbstbestimmung wird durch Unterstützung von Kleinstunternehmerinnen, Spargruppen und Viehwirtschaftsprojekten abgedeckt. Zusätzlich engagiert sich der PWC in der Gemeindeentwicklung: Gesundheitsinitiativen, rechtliche Beratung und Maßnahmen gegen Kinderehen umfassen weitere wichtige Themenfelder.

Zwei kurze Videos zeigten beispielhaft, wie junge Frauen durch die Bildungsprogramme Selbstvertrauen gewinnen und in ihren Dörfern zu Vorbildern werden.

Diskussion: Strukturelle Herausforderungen und politische
Verbindungen.

In der abschließenden Fragerunde wurde die Diskussion politischer. Teilnehmende wollten wissen, wie die Kooperation zwischen tansanischen Gemeinden, PWC und internationalen Partnern – darunter auch die Dreikönigsaktion – funktioniere. Scorey betonte, dass internationale Unterstützung entscheidend sei, Projekte aber immer gemeinsam mit den Gemeinschaften erarbeitet werden, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen. Zudem kamen Fragen nach politischen Veränderungen in Tansania, nach Landrechten und nach der Rolle traditioneller Autoritäten auf. Hier zeigten die Referentinnen, wie komplex die Balance zwischen kultureller Identität und der Förderung von Frauenrechten sei. Die Teilnehmenden reagierten interessiert und stellten präzise Nachfragen, was zu einer konzentrierten, offenen Debatte führte.

Fazit.

Der Workshop bot einen lebendigen und zugleich tiefgehenden Einblick in die Lebensrealitäten der Massai und die Arbeit des Pastoral Women’s Council. Besonders hervorzuheben war die Verbindung der Eindrücke aus persönlicher Erzählung, kulturellen Objekten, aufschlussreichem Bildmaterial und politischem Hintergrundwissen. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Bildungsarbeit, Empowerment und langfristige Partnerschaften für gerechte Entwicklungsperspektiven sind.

Der Autor ist Student an der Universität Innsbruck. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Das Titelbild zeigt Rinder in Wami Sokoine, Tansania. © ILRI (International Livestock Research Institute), flickr (https://flickr.com/photos/ilri/with/16589528715/)

Die Veranstaltung war Teil der 9. Österreichischen Entwicklungstagung in Innsbruck. Alle Infos dazu gibt es hier.

Veröffentlicht in Entwicklungstagung 2025.