Workshop 7: Nachhaltiger Tourismus als Chance für Entwicklung.

Der globale Tourismussektor steht an einem Scheideweg. Angesichts ökologischer Grenzen und sozialer Ungleichheiten besteht Handlungsbedarf. Die Agenda 2030 bietet einen wichtigen Orientierungsrahmen, um den Tourismus zu einem nachhaltigen und gerechten Wirtschaftszweig zu machen. Zum Erreichen der SDGs kommt dem Sektor eine wichtige Rolle zu, da der Wirtschaftszweig zehn Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts ausmacht. Die Bedeutung des Tourismus aufgrund seiner weitreichenden Verbindungen zu Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft wurde im Rahmen eines Workshops auf der Entwicklungstagung 2025 herausgearbeitet.

Frieden als Grundlage für Tourismus.

Anna Kodek, Projektleiterin für nachhaltige Tourismusentwicklung und Entwicklungszusammenarbeit bei „Respect“, einem Arbeitsbereich der Naturfreunde Internationale, betrachtete mit ihrer Kollegin Emma Kluger das Potential von nachhaltigem Tourismus. Die beiden rückten eine Frage in den Mittelpunkt des Workshops: „Wie kann verantwortungsvoller Tourismus besonders in Ländern des globalen Südens einen wertvollen Beitrag für die lokale Bevölkerung leisten?“.  In der Veranstaltung gab es auch Raum zur Diskussion, um die Teilnehmenden einzubinden und deren Einschätzung zu dem Themenbereich zu erhalten.

Zur Einleitung wurde eine Frage ans Publikum formuliert: „Wie stellst du dir deinen Urlaub im Jahre 2049 vor? Wohin reist du und wie?“.

Antworten darauf wurden anschießend unter den Teilnehmenden sowie mit Anna Kodek und Emma Kluger diskutiert. Einige Wortmeldungen hoben hervor, dass eine Reise in Risiko- oder Konfliktregionen nicht denkbar wäre und Frieden eine Grundvoraussetzung bei der Wahl eines Reiseziels sei. Auf der Entwicklungstagung war insgesamt deutlich geworden, dass Frieden nur durch verlässliche und starke Institutionen, sowie Rechtsstaatlichkeit (SDG 16) möglich ist, um Korruption zu verhindern und Menschenrechte sowie den Schutz von Kindern zu gewährleisten.

Nachhaltiger Tourismus bedeutet Veränderung: Einflüsse der SDGs.

Um fairen und nachhaltigen Tourismus zu gewährleisten, wird es immer wichtiger, auf Missstände und Probleme hinzuweisen. Viele Einwohner*innen von beliebten Reisezielen in Ländern des globalen Südens profitierten kaum vom Tourismus, so Kodek. Faires Reisen bedeutet für „Respect“ Rücksicht auf die Orte und Menschen zu nehmen, die man bereist, und die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im Tourismus zu verbessern. Zudem ist es von großer Bedeutung, seinen eigenen „Fußabdruck“ in Bezug auf Klima und Umwelt möglichst klein zu halten. SDG 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion), SDG 14 (Leben unter Wasser) sowie SDG 15 (Leben an Land) setzten genau bei diesen Themen an, so Kluger. Es sei wichtig, die Destinationen, die man im Rahmen eines Urlaubsaufenthaltes besucht, respektvoll und mit Würde zu behandeln. Man sollte unnötigen Ressourcenverbrauch und Verschmutzung minimieren und bewusst handeln. Denn der Tourismus sollte den bereisten Ländern einen Mehrwert bieten und der Erlös auch jenen Menschen zukommen, die in diesem Wirtschaftssektor arbeiten. Insofern brauche es eine gerechte Verteilung des Einnahmen.

Entwicklung von Tourismus im globalen Süden: Gemeinschaftsbasierter Tourismus.

Wie kann man den Tourismus in Ländern des globalen Südens so gestalten, dass ein ökonomischer und soziokultureller Nutzen entsteht? Welche Lösungsansätze bieten sich in dieser Situation und was kann man machen, um der lokalen Bevölkerung einen Mehrwert zu bieten?

Im Zuge dieser Fragen wurden mehrere Projekte vorgestellt, darunter ein gemeinschaftsbasiertes Tourismusprojekt in Usbekistan. Gemeinschaftsbasierter Tourismus (CBT) ist ein Ansatz, um das Reisen nachhaltiger zu gestalten, nicht nur für die Reisenden selbst, sondern primär für die Bewohner*innen der Reiseziele. Lokale Gemeinschaften und Familien sind direkt am Tourismus beteiligt und tragen ihren Teil dazu bei. Der Unterschied zu herkömmlichen Formen von Tourismus besteht in der Machtverteilung: Die Entscheidungen über die Verteilung der Einnahmen liegen in den Händen der Menschen, welche in der jeweiligen Destination leben. Lokale Familien und Verbände leiten den Tourismus, ohne Einflüsse von außen durch internationale Konzerne oder Behörden hinnehmen zu müssen. Die Gastfamilien kümmern sich um Unterkünfte, Verpflegung und organisieren Aktivitäten, wie zum Beispiel eine geführte Wanderung durch die Berge Usbekistans.

Das bedeutet, dass die Einkommensquellen der Familien, welche die Dienstleistungen erbringen, aber auch die der ganzen Gemeinde zunehmen. So kann auch in den Ausbau von Infrastruktur investiert werden, wie etwa die Verbesserung von Schulen und Verkehrswegen. Außerdem bleibt die kulturelle Wertschätzung bestehen und die Bewohner*innen der Dörfer bekommen Anreize, ihre Traditionen (Musik, Handwerk, Kunst) zu bewahren, weil diese nun wirtschaftlichen Wert besitzen.

Ausblick in die Zukunft.

Der Workshop in Innsbruck lieferte wertvolle Impulse und machte einmal mehr deutlich, wie komplex das Thema Tourismus ist. Er kann nur dann nachhaltig funktionieren, wenn die SDGs als grundlegende Basis verwendet werden. Im Rahmen des Workshops wurde auch klar, dass eine bloße Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks nicht ausreicht, sondern dass auch etwas in den Bereichen Gerechtigkeit, Fairness sowie Schutz von Schwächeren getan werden muss.

Die Veranstaltung lud dazu ein, sich selbstkritisch zu hinterfragen und beim nächsten Ausflug genauer darüber nachzudenken, wie man seine Reise antritt und wohin man reist. Denn Tourismus dient nicht nur der Erholung, sondern er ist auch ein Mittel, um den Zielen der 2030 Agenda ein Stück näherzukommen und eine nachhaltige und gerechte Zukunft zu garantieren.

Der Autor ist Student an der Universität Innsbruck. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Das Titelbild wurde mit Gemini AI generiert, indem „nachhaltiger Tourismus“ als Inhalt der Abbildung per Promt in Auftrag gegeben wurde.

Die Veranstaltung war Teil der 9. Österreichischen Entwicklungstagung in Innsbruck. Alle Infos dazu gibt es hier.

Veröffentlicht in Entwicklungstagung 2025.